Die Festung Wülzburg


Auf der mit 630 m höchsten Bergkuppe der südlichen Frankenalb liegt - umgeben von einem in den Fels geschlagenen Trockengraben - die Ansbachische Höhenfestung Wülzburg, die ein eindrucksvolles und einzigartiges Denkmal des Renaissancefestungsbaus in Deutschland darstellt.

Luftbild der Festung Wülzburg

Seit dem 11. Jahrhundert befand sich an dieser Stelle ein Benediktinerkloster, das im Zuge der Reformation zuerst in eine Probstei und 1537 in ein weltliches Verwalteramt umgewandelt wurde. Im Jahre  1588 ließ Markgraf Georg Friedrich d. A. von Brandenburg-Ansbach hier an der südlichen Grenze seines Territoriums in der Nachbarschaft der Reichsstadt Weißenburg. des Deutschen Ordens in Ellingen, der Grafschaft Pappenheim und des Fürstbistums Eichstäft eine pentagonale Festungsanlage mit den Bastionen Jungfrau. Krebs, Roßmühle, Kaltes Eck und Hauptwache im Neuitalienischen Bastionärsystem (u. a. Pläne von Rochus Quirinius Graf von Linar) errichten (Baumeister u. a.: Blasius Berwart d. A. und d. J., Gideon Bacher; Unterbaumeister u. a.: Caspar Schwabe und Thomas Martinatus). Für die reichsstädtischen Weißenburger war die Festungsanlage immer ein Argernis und eine Bedrohung, vor allem während des Dreißigjährigen Krieges. 1631 wurde die Festung von der dorthin geflüchteten markgräflichen Familie kampflos an General Tilly übergeben. Bis Kriegsende blieb sie im Besitz der kaiserlichen Ligatruppen. die alle Blockaden überstanden, das Umland brandschatzten und die Stadt Weißenburg beschossen, sofern diese nicht gerade von den kaiserlichen Truppen besetzt war. Der ursprüngliche Schloßbau wurde durch einen großen Brand zerstört - weil der Köchin das Schmalz in der Pfanne brennend worden" war - und nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut. 1791 kam die Festung an Preußen, 1802 an Bayern. 1867 wird die Wülzburg als Festung aufgehoben und 1882 vom Königreich Bayern an die Stadt Weißenburg verkauft - mit Ausnahme des südlichen Schloßftügels. Im 19. und 20. Jahrhundert diente sie als Gefangenen- und Flüchtlingslager. in dem 1918 auch Charles de Gaulle inhaftiert war (Erinnerungstafel im Innern des Torgangs). Der Schloßbau wurde nach 1945 renoviert und beherbergt heute eine Schule mit Internat für soziale Frauenberufe des Missionsdienstes für Christus, Stockdorf.

Im Wallgraben der Festung kann der Besucher ein Rotwildrudel beobachten.



Eingangsportal zur Festung
Die Zufahrt zur Festung

Bastion "Krebs"
Bastion "Krebs"

Besonders sehenswert sind:

- Die fünf Bastionen (teils mit vorgeschobenen Wächterhäuschen) und der 7,5 m tiefe und 23 m breite Trockengraben

-  Festungsportal mit Wappen des Erbauers, Markgraf Georg Friedrich d. A. von Brandenburg-Ansbach und seiner zweiten Gemahlin Sophia von Braunschweig-Lüneburg

- Die rustizierten Arkaden

- Die Schloßkirche mit dem bemerkenswerten Grabstein des Abtes Wilhelm (gestorben 1449)

- Das herrliche Barockportal am Westende des Südflügels mit Reiter- treppe im Inneren

Der Westflügel mit dem Renaissanceportal und dem durch Gefangene gebauten und damals betriebenen "Tiefen Brunnen", der vermutlich bereits bei der Anlage der Festung zur Sicherung der Wasserversorgung angelegt wurde. Mit einer Tiefe von 133 m zählt er mit zu den tiefsten von Hand gegrabenen Festungsbrunnen Europas. Die heutige Hebeanlage stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die große Tretradwinde - ein technik-geschichtliches Denkmal - mußte von der Besatzung oder von Festungshäftlingen betrieben werden, wobei die Förderung eines Kübels immerhin ca. 35 Minuten beanspruchte

Die unter dem Bayernkönig Ludwig in den Jahren 1828-1838 im Westteil des großen Innenhofes entstandene Zisternenanlage (sog. Ludwigszisterne), Von der oberirdischen Plattform, auf der sich zum einen das Regenwasser direkt ansammelte, zum anderen von den umliegenden Gebäuden - vor allem von den großen Dachflächen des Schloßbaus - zugeleitet wurde, gelangte das Regenwasser durch Filterschichten in zwei unterirdische rechteckige (19,6 x 7,3 m) gewölbte (7,4 m hohe) Tanks. Zur Wasserentnahme dienten vier runde Zieh- oder Schöpfbrunnen nahe den Ecken der Plattform, die mit schönen schmiedeeisernen Hauben besetzt sind, die ein gußeisernes "L" (für Ludwig I.) schmückt, sowie vier Pumpbrunnen, deren gußeiserne Wasserspeier mit Löwenmasken verziert waren.

- Die Bastion Roßmühle an der Nordwestecke der Festung trägt ihren Namen nach der in ihrem Inneren untergebrachten Mühle, die von Pferden angetrieben wurde. In dem kuppelartigen Raum wurde nicht nur das in den Kasematten aufbewahrte Getreide, sondern regelmäßig auch Pulver gemahlen, das bei längerer Lagerung klumpig geworden war.

- Das ehemalige Pfarrhaus (1814), in dem heute das Burgwirtshaus untergebracht ist.